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Türkei hat schwarze Liste mit 700 deutschen Firmen

Auch Einzelpersonen wegen „Terrorunterstützung“ unter Beobachtung

Berlin/Wien/Ankara (pte/21.07.2017/13:30)

Immer mehr in der Türkei tätige deutsche Unternehmen und Einzelpersonen geraten in den Fokus der türkischen Regierung. Der Vorwurf: Sie würden aktiv den Terror unterstützen. Wie das „Handelsblatt“ unter Berufung auf deutsche Regierungs- und Sicherheitskreise heute, Freitag, berichtet, sollen insgesamt fast 700 Namen auf einer entsprechenden schwarzen Liste zu finden sein. Ankara bestreitet indes die Existenz eines Namensregisters.

„Noch eine Null anhängen“

Bereits am Mittwoch hatte die Wochenzeitung „Die Zeit“ von einer „Schwarzen Liste“ mit 68 Namen deutscher Firmen und Einzelpersonen berichtet, denen türkische Behörden vorwerfen, terroristische Organisationen zu unterstützen. Die Liste wurde dem Bundeskriminalamt (BKA) http://bka.de übergeben. An die von der „Zeit“ genannte Zahl müsse „aber noch eine Null gehängt werden“, sagten mehrere mit der Liste vertraute Quellen dem „Handelsblatt“.

„Das BKA bearbeitet die Liste nicht, da die darin enthaltenen Angaben und Vorwürfe unkonkret sind. Wir haben in dieser Sache Kontakt zu den Landeskriminalämtern und den Wirtschaftsverbänden ‚Allianz für Sicherheit in der Wirtschaft (ASW e.V.)‘, ‚Vereinigung für Sicherheit in der Wirtschaft (VSW e. V.)‘ und dem ‚Bundesverband für Sicherheitswirtschaft (BDSW)‘ aufgenommen und diese über die Inhalte der Liste unterrichtet“, so das BKA knapp. Unternehmen könnten sich an die genannten Wirtschaftsverbände wenden.

Türkei-Urlaub spaltet die Deutschen

49 Prozent sind nach einer Emnid-Umfrage für „Bild am Sonntag“ der Meinung, dass man in der Türkei keinen Urlaub mehr machen kann, 44 Prozent halten dagegen. Bei Tui hätten allein am Donnerstag mehrere hundert Türkei-Kunden angerufen, um ihre Reisepläne zu ändern, berichtet das Blatt. Die Verbraucherzentrale fordern indes Kulanz von den Veranstaltern, die keine kostenlosen Stornos und Umbuchungen zulassen, weil das Auswärtige Amt zwar die verbale Keule schwingt, den Reisehinweis aber juristisch nicht verschärft hat.

Türkei-Imagekampagne mit Poldi abgesetzt

Meedia berichtete, am Donnerstag kündigte Außenminister Sigmar Gabriel das Ende des diplomatischen Kuschelkurses mit der Türkei an und warnte die Wirtschaft vor Investitionen in dem Land. Während der Übertragung seiner Ansprache kam es zu einer skurrilen Situation, denn N24 und N-TV zeigten davor und danach Werbespots für den Wirtschaftsstandort Türkei. Protagonisten sind neben Lukas Podolski auch Manager von Nestlé, Vodafone, Ford und Toyota. Die Sender gaben nun bekannt, die Clips bis auf weiteres zu stoppen.

Türkei: Reise- und Sicherheitshinweise

Das Auswärtige Amt, hat die Reise- und Sicherheitshinweise angepasst:

Zuletzt waren in der Türkei in einigen Fällen Deutsche von freiheitsentziehenden Maßnahmen betroffen, deren Grund oder Dauer nicht nachvollziehbar war. Hierbei wurde teilweise der konsularische Zugang entgegen völkerrechtlichen Verpflichtungen verweigert. Personen, die aus privaten oder geschäftlichen Gründen in die Türkei reisen, wird zu erhöhter Vorsicht geraten und empfohlen, sich auch bei kurzzeitigen Aufenthalten in die Krisenvorsorgeliste der Konsulate und der Botschaft einzutragen. Die Auslandsvertretungen werden bei Festnahmen deutscher Staatsangehöriger nicht immer rechtzeitig unterrichtet, der Zugang für die konsularische Betreuung wird nicht in allen Fällen gewährt. Seit Anfang 2017 wurde wiederholt deutschen Staatsangehörigen an den Flughäfen in der Türkei die Einreise ohne Angabe genauer Gründe verweigert.

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